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Ich streife die Staubmaske über Mund und Nase und folge unserem Guide mit gesenktem Kopf in den Stollen. Schon nach wenigen Metern kämpfe ich mit einem beengenden Gefühl, und der Luft die mit jedem Schritt dicker zu werden scheint. Wir befinden uns im Cerro Rico was soviel heisst wie „Reicher Berg“. Die Edelmetalle wurden schon bevor die Spanier eintrafen, aus dem Berg gebracht. Früher Silber, heute vor allem Zinn, Zink, Blei, Kupfer und Wolfram.
Wir treffen auf eine Lehmfigur. Tío, der beschützer der Mineros. Bei ihm wird um Schutz und gute Erträge erbeten. Als Gegenzug kriegt er hochprozentigen Alkohol, Coca und Zigaretten. Wir folgen dem Schein unserer Stirnlampen weiter in die Mine. Die Orientierung habe ich schon nach den ersten paar Abzweigungen verloren. Der Berg ist völlig durchlöchert, und dies auf mehreren Etagen. Ein Plan der Stollen existiert lediglich in den Köpfen der ca. 8000 Mineros.
Unser Guide ist seit seinem 8. Lebensjahr einer von Ihnen. Hauptberuflich Minero, im Nebenjob führt er Touristen die die Hölle auf Erden. Einige Meter weiter treffen wir auf die ersten Mineros. Verschwitzt, staubig, mit Cocablättern im Mund. Einfache Arbeitskleidung, ein Helm mit Stirnlampe, kein Atemschutz. Weiter dem Kegel unserer Stirnlampe folgend, vorbei an Löchern, deren Ende man lediglich erahnen kann, treffen wir auf die nächsten Mineros. Sie sind dabei Löcher für die Sprengung zu bohren. Die, die es sich leisten können führen Druckluft für Bohrmaschinen in die Stollen, und sprengen das harte Gestein. Die ärmeren arbeiten mit Hammer und Meissel. Man sieht wegen dem dichten, von giftigem Arsen versetzten Staub kaum die Hand vor Augen. Die Mineros verdienen in der Miene zwar etwas mehr Lohn, bezahlen dies jedoch mit einer Lebenserwartung von lediglich 45 – 50 Jahren meist verursacht durch Lungenprobleme. Wir gehen weiter, an zischenden Druckluftleitungen vorbei, eine wacklige Leiter hinauf. Der Gang wird teilweise so schmal, das wir nur noch seitwärts durch passen. Vorbei an einem älteren Minero der mit Hammer und Meissel eine sogenannte „Ader“ bearbeitet. Unser Guide stoppt abrupt, sucht die Decke nach losen Steinen ab. Zufrieden und mit einem Lächern um den Mund erklärt er uns „hier können wir warten.“ Kurz darauf erfolgt der erste dumpfe Knall und die Erde erzittert unter unseren Füssen. Die erste Sprengung, neunzehn weitere Erschütterungen folgen. Das Dynamit für die Sprengungen für jedermann legal auf dem Markt zu kaufen.
Froh, das der Stollen über unseren Köpfen nicht eingestürzt ist, geht es weiter aufwärts. Nun auf Knien und Händen. Nach Atem ringend kommen wir oben an. Die Luft ist noch dicker, die Höhe von 4500 M.ü.M. verbessert die Situation nicht im geringsten. Hinunter durch einen Schacht, der nicht viel Spielraum für Bewegungen offenlässt, am Tío vorbei richtung Ausgang.
Erleichtert, mit leicht zittrigen Fingern und dem festen Entschluss mich nie wieder über meine Arbeit zu beklagen streife ich die Maske vom Gesicht und trete in die unendlich frische Luft.

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