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Ich habe kürzlich einen Artikel über die Wahrnehmung der Zeit gelesen. Genauer gesagt ging es darum, dass einem rückblickend die Zeit langsamer erscheint je mehr neues man erlebt hat.

Bei mir ist es eine Mischung aus Unglauben, schon ein Jahr unterwegs zu sein und dem Gefühl das so viele Eindrücke und Erlebtes doch nicht alle von diesem einen Jahr stammen können. 

Wir haben bis jetzt vor allem die schönen Seiten des Reisens gezeigt. Doch gibt es auch die andere Seite?

Jeden Tag das unbekannte erleben. Nicht zu wissen was hinter der nächsten Kurve ist. Wollten wir nicht doch genau das? Wird das neue mit der Zeit auch langweilig? 

Nein langweilig bestimmt nicht, eher anstrengend! Die Pausen werden länger, wir bleiben eher mal  am gleichen Ort. Solange bis uns langweilig wird und wir weiterziehen. 

Das Klima verändert die Angenehmen sowie auch die Unangenehmen Seiten des Reisens. Was im Süden der ewige Wind, die Kälte oder die ermüdende Höhe war, sind jetzt sehr warme Nächte, die Feuchtigkeit der Regenzeit oder Mücken. 

Wünschen wir uns ab und zu Zuhause zu sein? Ja, fast jeden Tag mindestens einmal. Ich zumindest. Sei es unter der kalten Dusche, im Regen und Wind die Reifen für Asphaltstraßen zu pumpen, wenn der Platz zum Kochen zu eng wird, das Wasser zum Abwaschen mehr als hundert Schritte weit entfernt ist oder sich das Fett mit dem kalten Wasser nicht löst. Wenn der Sand im Essen überhand nimmt oder man mit einer Ameisenstrasse im Bett aufwacht. Die Liste könnte lange so weitergehen. 

Hatten wir auch spezielle, schwierige Situationen? Ja sicher. Wenn es auf der Strasse dank dem Südamerikanischen Fahrstil wieder mal eng wird, wenn der Reifendruck plötzlich sinkt, in der Nacht die Polizei mit Blaulicht am Schlafplatz auftaucht um gute Nacht zu wünschen, man nach einigen hundert Kilometer schlechter Piste kurz vor der Hauptstrasse auf einen Fetten Zaun und ein Tor mit Schloss stößt, die Strasse immer schlechter wird, mitten in der Nacht ohrenbetäubend die Sirenen aufheulen und man in der nähe eines sehr aktiven Vulkan steht oder man keinen passenden Schlafplatz findet und es langsam dunkel wird. Aber keine einzige wirklich gefährliche Situation. Und letztendlich sind es die schwierigen Situationen die am unvergesslichsten bleiben.

Bereuen wir manchmal gegangen zu sein? Etwas zu Hause verpasst zu haben? Nein, sicher nicht. Bis anhin zumindest. Das einzige das wir jeweils nicht nur für einen Augenblick vermissen sind die Personen die unsere Leben letztendlich ausmachen. Familie und Freunde.

Und doch die Neugierde hinter die nächste Kurve zu blicken ist noch grösser als der drang nach einem geregelten Leben und einer warmen Dusche! Wir haben noch nicht genug. Mit Erwartung, Freude und ein bisschen Misstrauen blicken wir voran auf die nächsten Länder, neuen Situationen, und unbekannten Kurven. 

Mit dem wissen, nun nicht mehr ganz so ein Anfänger zu sein. 

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